Status und Entwicklung des Versicherungsmarktes 2019

In unserem jährlichen Lagebericht informieren wir über aktuelle Ereignisse am Versicherungsmarkt und werfen einen Blick auf mögliche Konsequenzen daraus für die Zukunft.

 

Eines steht für das nächste Jahr bereits fest: Carl Jaspers agiert dann bereits 15 Jahre erfolgreich am Versicherungsmarkt. In dieser Zeit haben wir uns Respekt der Mitbewerber am Markt erworben und das Vertrauen von vielen mittelständischen Unternehmen gewonnen. Dies gelang neben fachlichen Lösungen auch durch eine konsequente Transparenz in unserem Tun. Das Gleiche gilt für die Versicherer am Markt. Ohne deren Vertrauen kommen wir nicht zu den individuellen und manchmal auch unkonventionellen Lösungen. Ein Schlüssel des Erfolgs ist, immer einen kreativen Lösungsansatz anbieten zu können, den andere noch nicht verfolgt haben.

 

Die Mitarbeiterzahl ist von zunächst zwölf Personen in 2005 auf aktuell 29 Mitarbeiter in 2019 gewachsen. Zusätzlich beschäftigen wir Werkstudenten der TH Köln, mit denen wir uns viele kreative Ideen ins Unternehmen holen und die Mannschaft auf Dauer jung halten. Die Unternehmensgröße hat in diesem Jahr dazu geführt, dass Teamstrukturen optimiert wurden und die Mitarbeiterentwicklung eine feste Säule im Unternehmen geworden ist.

 

Der fortschreitenden Globalisierung der Märkte wurde mit zusätzlichen Mitarbeiterkapazitäten und der Erweiterung unserer Möglichkeiten im Ausland Rechnung getragen. Neben weiteren Netzwerken stehen unseren Kunden eine Vielzahl von zusätzlichen Partnern auf der ganzen Welt zur Verfügung. Der Auslandsbereich wird zukünftig so strukturiert, dass Ihre Auslandsinteressen noch besser berücksichtigt werden können.

Neben diesem Ausblick in eigener Sache, gibt es noch folgende Themen am Markt, die aktuell von Interesse sind:

 

Transport-Versicherung / INCO-Terms

Ende September hat die Internationale Handelskammer (ICC) die neuen INCOTERMS® 2020 herausgegeben. Folgende Änderungen sind dabei hervorzuheben:

 

  • Die bisherige Klausel DAT (Delivered at Terminal) wurde durch die Klausel DPU (Delivered at Place Unloaded) ersetzt. Sie legt fest, dass die Ware dem Käufer am benannten Bestimmungsort entladen zur Verfügung gestellt wird.
  • In der Klausel FCA (Free Carrier) kann optional vereinbart werden, dass der Käufer den Transporteur anzuweisen hat, dem Verkäufer ein Transportdokument (z.B. Bill of Lading) mit Verladebestätigung zur Verfügung zu stellen. Dies kann bei entsprechenden Geschäften die Abwicklung von Akkreditiven vereinfachen.
  • Die Klausel CIP (Cost Insurance Paid) sieht nun vor, dass die Transportversicherung, die der Verkäufer für den Käufer abzuschließen hat, nunmehr „alle Gefahren“ abzudecken hat. Bei der Lieferkondition CIF (Cost Insurance Freight) ist wie bisher nur eingeschränkter Versicherungsschutz obligatorisch vorgesehen.
  • Die Struktur der Regelungen wurde vereinfacht und klarer gegliedert und ist dadurch nun anwenderfreundlicher gestaltet.

Gerne führen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Informationsveranstaltungen hierzu bei Ihnen durch.

 

Active Assailant / Active Shooter

Im Zusammenhang mit der Terrorgefahr gewinnt das Produkt Active Assailant (“Aktiver Angreifer”) in den USA immer mehr an Bedeutung.

 

Die Häufigkeit von Amokläufen u.ä. scheint zuzunehmen. Laut FBI sind zwischen 2000 und 2017 insgesamt 250 Fälle eingetreten. Während diese FBI-Statistik in den Jahren 2000 bis 2006 durchschnittlich 6,7 Fälle pro Jahr aufweist, sind es zwischen 2007 bis 2013 schon 16,4 pro Jahr und in den Jahren 2014 bis 2017 sogar 22 Fälle pro Jahr.

 

Bisher war je nach Verlauf des Vorfalls praktisch jede Versicherungspolice betroffen. Dazu gehören die Sachversicherung, die Betriebshaftpflichtversicherung, die Kfz-Versicherung, Personenversicherungen (z.B. Lebens- und Unfallversicherung) und die D&O-Versicherung. Das Problem bei der Schadenregulierung besteht darin, dass bei diesen Versicherungspolicen „Grauzonen“ auftreten, die dazu führen können, dass die Entschädigung vom Versicherer ganz oder teilweise verweigert wird. Auch der Versicherungsschutz im Rahmen von Terrorpolicen ist schwierig, da der Vorfall als Terrorakt die Anforderungen von TRIA (Terrorism Risk Insurance Act) erfüllen muss. Dazu gehört, dass der Angreifer ideologisch, politisch oder religiös motiviert sein muss. Da aber die Motivation der Täter teilweise diffus ist, kann auch dort der Anspruch ins Leere laufen.

 

Ziel der „Active Assailant“-Policen besteht nun darin, die Lücken zwischen der Terrordeckung und den anderen konventionellen Versicherungspolicen zu schließen. Zur Prävention werden eine Gefährdungsanalyse, Notfallpläne sowie Trainings und Verhaltenshinweise empfohlen. Unsere Partner in den USA werden bei den anstehenden Gesprächen dieses Thema mit Ihren Tochtergesellschaften aufgreifen. Auch auf dem deutschen Versicherungsmarkt gibt es bereits ähnliche Produkte. Für weitere Auskünfte stehen Ihnen unsere Kundenbetreuer zur Verfügung.

 

Cyber Angriffe

Bei den Diskussionen um die Cyber-Versicherung bleibt der damit verbundene Versicherungsschutz bzw. der nicht versicherte Teil oft unausgesprochen. Die aktuellen Konzepte der Versicherer unterscheiden sich manchmal nur im Detail. Vereinfacht lassen sich die Produkte am Markt in die folgenden drei Vertragsteile aufgliedern:

 

Vertragsteil

Beispiel

1.       Haftpflicht
Schadenersatzansprüche Dritter (Befriedigung berechtigter Ansprüche sowie Kosten für Anspruchsabwehr)


Schadenersatzansprüche Dritter (z.B. „Diebstahl“ personenbezogener Daten, wie bspw. Kontodaten, Kreditkartendaten usw.)

2.       Eigenschäden

  • Wiederherstellungskosten bei Verlust / Zerstörung eigener Daten und Netzwerke
  • Ertragsausfall durch Unterbrechungen des Betriebes (z.B. Viren- oder Hackerangriffe, Systemstilllegungen)
  • Mehrkosten zur provisorischen Aufrechterhaltung oder Beschleunigung der Wiederherstellung des Betriebs
  • Optional: Erpressungsgelder

3.       Kostenpositionen

  • Informationskosten betroffener Kunden
  • Kosten für forensische Untersuchung
  • Kosten für Rechtsberatung
  • Kosten für PR-Berater
  • Kosten für einen Krisenberater

 

Die Cyber-Versicherung ist kein Allheilmittel gegen Cyber-Schäden. Zum Ersten sind Schäden durch eigene Mitarbeiter nicht versichert und zum Zweiten sind z.B. Attacken wie die des Fake President oder auch CEO Fraud (E-Mails mit Überweisungsanforderungen an speziell ausgespähte Mitarbeiter) gar nicht versichert. Eine sinnvolle Ergänzung kann daher die Vertrauensschaden-Versicherung sein. Diese Versicherung bietet Versicherungsschutz für Vermögensschäden aufgrund krimineller Handlungen von Vertrauenspersonen (Mitarbeiter, Leiharbeiter, Subunternehmer, Reinigungspersonal etc.). Außerdem schließt sie die Lücke für Schäden aufgrund krimineller Handlungen fremder Betrüger (z. B. Hacker, Fake President, Fraud Payment Diversion, Fake Identity Fraud). Trotzdem sollte die Versicherung nur ergänzend zu einer guten IT-Infrastruktur genutzt werden und nicht als ihr Ersatz.

 

Neben einer Analyse der Risiken ist somit auch die Auswahl der richtigen Produkte entscheidend. Darüber hinaus sind die Schnittstellen zu anderen Versicherungen sauber herauszuarbeiten. Vor diesem Hintergrund beraten Sie unsere Kunden- und Fachbetreuer gern.

 

Wir beobachten außerdem den Versuch von Versicherern, die Cyber-Risiken in anderen Versicherungssparten wie der Sach- und Betriebsunterbrechungs-Versicherung oder D&O-Versicherung auszuschließen. Das Cyber-Risiko ist ein neues Thema und daher in der Vergangenheit bei der Gestaltung von Versicherungsbedingungen unberücksichtigt geblieben. Es entstanden Unschärfen, manchmal auch „Silent Cyber-Risiken“ genannt, die die Versicherer über den Ausschlusskatalog eliminieren wollen. Carl Jaspers hat bisher keine dieser Einschränkungen akzeptiert und die Verträge in Bezug auf diese Risiken unverändert fortgesetzt.

Forsa-Umfrage (2018): „Cyberrisiken im Mittelstand“ (Quelle: GDV / siehe pdf-Dokument)

 

Sach- und Betriebsunterbrechungs-Versicherungsmarkt

Die Situation der Versicherer lässt sich mit wenigen Worten beschreiben:

 

  • die Schadenbelastung für die Versicherer ist unvermindert hoch
  • Schäden durch Naturereignisse (Sturm, Hagel, Starkregen usw.) nehmen zu
  • das Prämienniveau ist seit vielen Jahren niedrig

 

Damit sind die Geschäftsergebnisse der meisten Versicherer in diesem Segment seit Jahren negativ.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Kosten der Versicherer in dieser Darstellung noch nicht enthalten sind. Der HDI hat bereits im letzten Jahr damit begonnen, die Versuche zur Durchsetzung höherer Prämien zu intensivieren. In diesem Jahr folgen nun auch andere Versicherer und wollen das Prämienniveau anheben. Hinzu kommt, dass nicht nur schadenbelastete Verträge angehoben werden. Der Markt soll aus Sicht der Versicherer insgesamt saniert werden.

Neben dem reinen Prämienthema werden zur Feuerversicherung auch wieder vermehrt Diskussionen zur Risikoqualität geführt. Für bestimmte Betriebsarten werden brandschutztechnische Mindeststandards gefordert oder es werden gar keine Angebote vorgelegt. Dieser Trend wird sich nach derzeitigem Stand nächstes Jahr fortsetzen.

Die Situation ist daher sehr individuell zu bewerten. Unsere Kundenbetreuer arbeiten gemeinsam mit den Fachabteilungen an der für Sie jeweils günstigsten Lösung unter Berücksichtigung aller sich bietenden Alternativen.

Im Gegensatz dazu kann der Haftpflicht-Versicherungsmarkt weiterhin als „weich“ eingestuft werden. Ob die in jüngster Zeit eingetretenen Produkthaftpflicht- bzw. Rückrufschäden (z.B. Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren, dm/Babynahrung) eine Veränderung auslösen, werden wir für Sie beobachten.

Über die angesprochenen Punkte oder bereits in vergangenen Veröffentlichungen beschriebenen Entwicklungen hinaus, erwarten wir nach derzeitigem Stand keine besonderen Veränderungen.

Sofern Sie zu diesen oder anderen Themen weitere Informationen wünschen, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Für Ihr Vertrauen möchten wir uns bei dieser Gelegenheit herzlich bedanken.

 

 

 

Ralf Berger              Markus Müller

 

pdf – Marktsituation 2019